Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831)

Hegel

Auch Friedrich Hegel hat 1807 in der „Phänomenologie des Geistes“ die Auffassung verstärkt, dass es keine ewigen Wahrheiten gibt, sondern sich die Erkenntnisse in einem historischen Entwicklungsprozess verändern und immer auch relativ zu dem jeweiligen Entwicklungsstadium betrachtet werden müssen. Laut Hegel bewege sich die Menschheit auf immer größere Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung zu. Die Geschichte zeige eine eindeutige Entwicklung hin zu immer mehr Rationalität und Freiheit.

Nach Hegel sind die dialektischen Gegensätze der eigentliche Grund für die Dynamik. Er hat damit Erkenntnisse aus dem chinesischen Taoismus in den Westen geholt. Diese Art zu denken bleibt uns aber weiterhin fremd, auch wenn viele von uns schon ihre Wohnung nach den Vorgaben des Feng-Shui einrichten und das I-Ging-Orakel kennen.

Bis Hegel war die Frage nach dem Sinn der Menschheitsentwicklung selten in den Mittelpunkt gerückt. Hegel hat diese Entwicklung optimistisch interpretiert und verschiedene Sprünge in der menschlichen Evolutionsleiter ausgemacht. Diese sollen sich nicht nur historisch in der Zunahme der Techniknutzung und damit der Naturbeherrschung ausdrücken sondern auch in einer dialektischen Beziehung zueinanderstehen.

Hegel hat Anleihen beim chinesischen Taoismus genommen und den ewigen Kampf zwischen den erstarrten Strukturen und neuen Bewegungen beschrieben. Hegel hat sozusagen aus der Geschichte der Menschen herleiten wollen, welche Entwicklungsziele des „Weltgeistes“ sich dahinter verbergen. Hegel wollte das Naturgesetz der menschlichen Entwicklung aus der Strukturierung der Geschichte ableiten.

Die Muster Ackerbau- und Stammesgesellschaften, Sklavenhaltungsgesellschaften, Feudalsystem, bürgerliche Gesellschaft scheinen ursächlich aufeinander aufzubauen. Damit entstanden neue Ideologien, die von einer Interpretation der Entwicklungsdynamik der Geschichte ausgehen. Man musste nur noch das tun, was historisch „gewollt“ ist und war auf der sicheren Seite.

Richtig ist sicher die Darstellung, dass die Entwicklung der Produktionsmittel entscheidend zur Veränderung der Bedürfnisstrukturen und Gesellschaftsstrukturen beigetragen hat. Ohne die Möglichkeit zur Nutzung der fossilen Energien wären die letzten 200 Jahre nicht denkbar gewesen. Die Entwicklung der Informations- und Medizintechnik bestimmt heute wesentliche Bereiche des Lebens. Nur hat das die Gesellschaften auch humaner gemacht?

Waffenhandel und organisierte Kriminalität sind genauso angewachsen. Die Brutalität des Menschen gegen seinesgleichen ist nicht weniger aktuell. Früher standen die Landerweiterung und die Unterjochung von Menschen als kostenlose Arbeitskräfte im Mittelpunkt des Interesses. Heute ist es hauptsächlich die unersättliche Gier unserer Volkswirtschaften nach Rohstoffen und fossilen Energien.

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