Das Schwarmwesen
Ist der Mensch ein Schwarm?
Wenn wir handeln, dann handeln wir entweder als Reaktion auf Außenreize oder weil wir einem inneren Drang folgen. Diese Reize und Reaktionsmuster bilden unsere Gewohnheiten. Es gibt Reaktionsmuster, die wir nicht verändern können. Das sind unsere Instinkte. Das ist sozusagen unsere Tierebene.
Wenn wir aufgrund eines inneren Drangs handeln, dann tun wir das teilweise, weil wir reagieren müssen, um zu leben und zu überleben. Es gibt also Lebensmotive bzw. Bedürfnisse, die dazu dienen, dass unsere biologische Natur existieren kann. Die Funktionen und Arbeitsweisen unserer Zellen werden so zum Verhalten des Gesamtorganismus.
Der Mensch ist in Wirklichkeit ein großer organisierter Zellhaufen. Ein Haufen von sich selbst organisierenden Einzellebewesen, die einer größeren Sache dienen und arbeitsteilig aufeinander bezogen sind.
Die "Seele" der Termiten
Ein interessantes Beispiel aus der Natur sind die staatenbildenden Termiten. Sie können vieles, was man früher nur den Menschen zugeschrieben hatte. An den Termiten lässt sich das Phänomen Schwarmintelligenz vielleicht erforschen. Wenn wir mehr über das „Schwarmwesen“ Mensch erfahren wollen, müssen wir in der Natur nach Vorstufen suchen und dort die Grundlagen erforschen. Erst wenn wir die verstanden haben, macht es Sinn, das wesentlich komplexere System Mensch erklären zu wollen.
Ein Termitenstaat besteht aus Millionen einzelner Termiten, die sich aber gemeinsam wie ein Lebewesen verhalten. Auch unser Körper besteht aus vielen einzelnen Wesen, die außerhalb des Systems nicht überlebensfähig wären, da sie hoch spezialisiert sind und nur Teile der Aufgaben für das Gesamtsystem erledigen.
Termiten sind eng mit den Schaben verwandt, und trotzdem verwechselt man sie mit den Ameisen. Sie bauen monumentale Wohnburgen mit raffinierter Klimatechnik, die menschliche Ingenieurkunst bescheiden erscheinen lassen. Könnten wir uns ein Haus bauen so groß wie das Matterhorn, mit Raum für die Einwohner z. B. Hamburgs? Und das Haus bliebe dank integrierter Klimaanlage inklusive optimierter Sauerstoffversorgung und Kohlendioxidbeseitigung immer behaglich? Und das sogar in Wüstengebieten.
So etwa bauen die afrikanischen Großtermiten, die ihre gegen zwei Millionen Köpfe starken Völker in bis zu sieben Meter hohen Zementburgen unterbringen. Die für das Bauwesen zuständigen Arbeiter sind nur wenige Millimeter groß.
Auf einer Art Kompost lassen die Termiten spezielle Pilze wachsen, welche die Zellulose mit Hilfe von Enzymen aufschließen und den nur in geringen Mengen vorhandenen Stickstoff anreichern. So entsteht eine vitaminreiche und stark eiweißhaltige Kraftnahrung.
Diese Beschreibung ist schon beeindruckend genug. Das eigentliche Wunder ist aber die Tatsache, dass das Millionen-Volk anscheinend von der Königin auf bislang unbekannte Art dirigiert wird.
An Termitenhügeln wurde eine Art „psychologische Fernwirkung“ entdeckt, die etwa einen Umkreis von 10 Metern erreicht und auch durch Metallplatten nicht abgeschirmt werden kann. Eine Königin kann deshalb sogar mehrere Termitenhügel kontrollieren. Tötet man die Königin, so hören alle Termiten sofort mit ihrer jeweiligen Tätigkeit auf.
Ohne die Annahme eines „Informationsfeldes“ lässt sich das, was wir da in einem Termitenhügel erleben können, nicht begreifen.
Ein Termitenstaat ist deshalb ein lohnendes Objekt, um mehr über die „Seele“ zu erfahren, die anscheinend als organisierendes und Ordnung schaffendes Prinzip in allen Lebewesen wirkt.
Die Hydra
Ein besonders überzeugendes Beispiel für die Entwicklung einer „Gruppenseele“ ist eine Meerestierart mit dem Namen „Siphonophore“ die zur Gattung der Hydromedusen zählt.
Das Besondere an dieser Art ist nun, dass jedes ausgewachsene Tier aus Hunderten von Einzeltieren besteht, die sich dann in Organbestandteile des Gruppentieres verwandeln. Wenn das Gruppentier zerstört wird, sind die einzelnen Teile immer noch lebensfähig und verwandeln sich zurück. Noch aus Einzelstücken von 1/200 der Masse eines erwachsenen Polypen kann ein neuer heranwachsen. So kann sich beispielsweise eine Hydra, die durch ein Netz gedrückt wurde, wieder selbst zusammensetzen.
Die einzelnen Teile sind aber auch alleine lebensfähig. Sie ziehen es aber vor, wenn sie die Möglichkeit bekommen, als Gruppentier zu leben und sich darin neu zu organisieren. Wie das geschieht und worin die „Gruppenanziehung“ begründet ist, wurde noch nicht aufgeklärt. Vielleicht ist hier eine ähnliche Kraft am Werke wie im Termitenstaat? Auch hier ist die Frage naheliegend, welche organisierende Kraft das Gruppentier aus den einzelnen Tieren zusammensetzt. Dabei geben die Einzeltiere bereitwillig ihre spezifischen Fähigkeiten auf und ordnen sich mit neuen Aufgaben in das Gesamtsystem ein.
Im Unterschied zum Termitenstaat gibt es hier aber kein „Kraftzentrum“ wie die Königin. Die „Gruppenseele“ der Hydra ist offenbar nicht materieller Art. Entweder entsteht sie, wenn die Einzeltiere „zusammenstreben“ oder sie ist verantwortlich dafür, dass die Einzeltiere „zusammengezogen“ werden.


