Kant

Immanuel Kant (1724 - 1804)

Immanuel Kant hat das Erkenntnisvermögen des Menschen noch mehr in Zweifel gezogen. In seiner 1781 veröffentlichten „Kritik der reinen Vernunft“ hat er postuliert, dass wir Menschen eine Vorstellung von Raum und Zeit in den Erkenntnisprozess hinein tragen, die unabhängig von ihm nicht existiert. Kant hat aber auch mit seinem „kategorischen Imperativ“ eine wichtige Regel für das menschliche Verhalten aufgestellt, deren Nutzen erst heute in wissenschaftlichen Forschungen bestätigt wurde, nämlich:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Er postuliert, dass die von uns erkannten Gesetzmäßigkeiten und die entdeckte Struktur der Welt ursächlich auf den Verstand zurückgehen. Wir erkennen also auch Zusammenhänge, die in Wirklichkeit keine sind. Wir sehen Muster und Strukturen, weil wir sie sehen wollen. Diese „Kritik der reinen Vernunft“ wurde zu einer wichtigen Grundlage bei den späteren naturwissenschaftlichen Versuchen, uns die Welt zu erklären.

Dieser Gedanke ist heute durch die Quantenphysik bestätigt worden. Die Rolle des Betrachters wurde in der Relativitätstheorie von Albert Einstein und im Rahmen der „Unschärferelation“ des Quantenphysikers Werner Heisenberg zum Kern des physikalischen Weltmodells gemacht. Den Erkenntnismöglichkeiten werden damit neue Grenzen gesetzt. Absolute Wahrheiten werden immer schwieriger. Wahrheiten können nur noch definiert werden, wenn der Erkenntnisrahmen und damit der Bedeutungsraum erklärt werden.

Kant hat damit ein Problem beschrieben, dass bis heute nicht gelöst werden konnte. Jeder Erkenntnisrahmen ist historisch, technologisch und gefühlsmäßig beeinflusst. Immer steckt dahinter auch ein „Erkenntnis leitendes Interesse“. Damit gibt es seitdem nur noch historische Wahrheiten, deren Halbwertzeiten begrenzt sind. Seitdem wissen wir oft nur noch, dass „wir eigentlich nichts wissen“.

Diese neue Gewissheit hat einerseits zum Eingeständnis geführt, dass es viele wissenschaftliche Irrtümer gegeben hat und wir nicht wissen, wie lange unsere heutigen Erkenntnisse als wahr betrachtet werden können. Andererseits ist aber auch der Mut gewachsen, unkonventionelle Ideen vorurteilsfrei zu prüfen. Dies aber nur in dem Maße, wie sie sich noch im Rahmen gewisser wissenschaftlicher Glaubensrichtungen bewegen.


Immanuel Kant

(C) 2008 - Der Sinn des Ganzen -

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